Siedlungs­ent­wässe­rung im Limmattal

Schutz von Mensch und Natur: Das sind die zentralen gesetzlichen Richtlinien der Siedlungsentwässerung. Aufgrund des Klimawandels sind neue Ansätze im Umgang mit Regenwasser notwendig. Wie wichtig diese Aufgaben sind, wird uns oft erst bewusst, wenn etwas aus dem Ruder läuft, wie zum Beispiel bei Überschwemmungen nach starken Niederschlägen.

Nach dem Spülen in die Kanalisation in die ARA in die Limmat: So reinigt Limeco Ihr Abwasser innerhalb weniger Stunden.

40 km²: das Einzugsgebiet der ARA von Limeco

Das Einzugsgebiet der ARA in Dietikon umfasst neun Städte und Gemeinden im Limmattal mit einer Fläche von rund 40 Quadratkilometern, einer Bevölkerungszahl von über 84’000 und einem wachsenden industriellen Ballungsraum. Der Anschluss der Gemeinde Rudolfstetten-Friedlisberg zur Entlastung von Rummelbach und Reppisch ist geplant.

Wie kommt das Abwasser zur ARA? Zuerst durch private Leitungen von Industrie und Haushalten, weiter durch die kommunalen Kanäle und schliesslich in einen der zwei rund zehn Kilometer langen Hauptsammelkanäle von Limeco. Die gesamte Limmattaler Kanalisation hat eine Länge von 560 Kilometern, das entspricht in etwa der Distanz von Dietikon nach Paris.

Zum Entwässerungsnetz gehören nicht nur die Kanalisation, sondern auch Regenbecken und Pumpwerke. Bei Regen speichern die 19 Regenbecken im Einzugsgebiet Mischabwasser, um Entlastungen in die Gewässer zu reduzieren. Limeco betreibt diese kommunalen Sonderbauwerke im Auftrag der Gemeinden.

In der ARA wird das Wasser in vier Stufen gereinigt: mechanisch, chemisch, biologisch und mit Filtration. Gereinigt fliesst es in die Limmat und damit zurück in den natürlichen Kreislauf. Markantes Herzstück der Anlage ist das Gebäude für die biologische Reinigung. Der Regenwasserweiher auf dem Flachdach und die Steinkorbfassade nehmen den Charakter der Umgebung auf und bieten neuen Lebensraum für Moos und Flechten sowie Insekten, Reptilien, Vögel und Fledermäuse.

Die Limmat speist die Aare und den Rhein. Der Fluss ist die Schlagader des Limmattals und beliebtes Naherholungsgebiet für die Zürcher und die Aargauer Bevölkerung. Neben den neun Städten und Gemeinden, die der ARA von Limeco angeschlossen sind, leiten auch andere Städte gereinigtes Abwasser in die Limmat: Zürich, Baden, Killwangen und Untersiggenthal. Über 100 Millionen Kubikmeter Abwasser sind es pro Jahr.

Mit 2500 Kubikmetern Wasser pro Sekunde ist der Rhein der grösste Zufluss der Nordsee. Der Strom, der im Lai da Tuma in den Bündner Bergen entspringt, zählt zu den verkehrsreichsten Wasserstrassen der Welt. In ihn münden Dutzende von Flüssen, die gereinigtes Abwasser mit sich führen: Maas, Mosel, Main oder die Aare, der wasserreichste Nebenfluss des Rheins.

Jedes Kilo Phosphor, das das gereinigte Abwasser mit sich führt, lässt in der Nordsee eine Tonne Algen wachsen. Zu viele Algen führen zur sogenannten Eutrophierung, zur Überdüngung von Gewässern. Deshalb unterstützt die Schweiz mehrere internationale Abkommen zur Entlastung von Nordostatlantik, Nordsee und Rhein. Die wichtigste Massnahme ist die Reduktion von Stickstoffverbindungen im Abwasser, also der Abbau von Nitrat, Nitrit und Ammonium.

Smarte Infrastruktur: Herzstück des Gewässerschutzes

Ein funktionsfähiges System zur Siedlungsentwässerung ist heutzutage viel mehr als eine gut gewartete Infrastruktur. Dank neuer Technologien ist es möglich, Daten nicht nur für den täglichen Betrieb zu messen und zu sammeln, sondern auch für eine regelmässige Bewertung der Systemleistung.

Im Einzugsgebiet von Limeco gibt es zum Beispiel eine Vielzahl von Messgeräten, die die Durchflüsse und die Entlastungsaktivität in den Regenbecken messen. Bei Regenwetter lässt sich zudem die maximale Abwassermenge fernsteuern, die in die ARA fliesst. Dank der Fernsteuerung der Weiterleitmenge in die ARA ist das Speichervolumen bei den Regenbecken optimal genutzt, um die Entlastungen in die Gewässer so gering wie möglich zu halten.

Limeco lotet derzeit das Potenzial einer dynamischen Bewirtschaftung der Siedlungsentwässerung aus, um beispielsweise die Weiterleitmenge der Regenbecken in Echtzeit und je nach Regenereignis zu steuern.

Schwammregion Limmattal

Ziel einer modernen Siedlungsentwässerung ist es, sauberes Regenwasser zurückbehalten und so weniger Mischabwasser in die Gewässer abzulassen. Versickerungsfähige Flächen aus Schotter, Kies, Rasen usw. begünstigen den Grundwasserspiegel, Bäume und Dachbegrünungen die Verdunstung. Zudem können Grünflächen und Retentionsanlagen Regenwasser wie ein Schwamm speichern. In Hitzeperioden führt das stärkere Verdunsten von Regenwasser in diesen Schwammstädten zu kühleren Temperaturen und erhöht dadurch die Lebensqualität. Im Hinblick auf die fortschreitende Klimaveränderung mit intensiveren Starkregen- und Trockenwetterperioden ist das eine zentrale Stossrichtung. Limeco setzt sich in verschiedenen Arbeitsgruppen dafür ein, gemeinsam mit den Limmattaler Gemeinden die Siedlungsentwässerung weiterzuentwickeln.

«Regenwasser sollte versickern und nicht die Kanalisation, die Reinigungsleistung der ARA und dadurch die Gewässer belasten.»

Leiter Abwasserwirtschaft

Thomas Di Lorenzo