So funktioniert die Kehrichtverwertungsanlage

Limeco holt das Beste aus Ihrem Abfall raus

Eine Tonne Hauskehricht liefert gleich viel Energie wie 300 Liter Heizöl, besteht aus 200 Kilo Mineralien und enthält 30 Kilo Metalle, sogar Gold. Folgen Sie dem Weg Ihres Abfalls durch die KVA:

1. Anlieferhalle

300 Sammelfahrzeuge pro Woche

Die Sammelfahrzeuge aus acht Träger- und 30 Vertragsgemeinden kippen ihre Ladung in die zwei Abfallbunker. Über 85'000 t Haushalts- und Industrieabfall verwertet das Kehrichtheizkraftwerk von Limeco im Jahr.

2. Bunker

240 Tonnen pro Tag

Wenn seine Klauen zupacken, gibts kein Entrinnen: Der Greifkran füttert die zwei Ofenlinien mit dem Abfall, der sich in den Bunkern turmhoch stapelt.

3. Ofen

1000 °C heisses Feuer

Vom Greifkran (1) fällt der Abfall in den Einfülltrichter (2). Die Beschickeinrichtung (3) transportiert ihn auf den Ofenrost (4). Weil von unten konstant Luft einbläst (7), lodert das Feuer bei rund 1'000 °C. Dank der hohen Temperatur und wegen des beweglichen Rosts brennt der Abfall vollständig aus. Zurück bleibt Schlacke, die noch einen Fünftel so viel wiegt wie der Kehricht. Am Ende des Rostes stürzt sie in ein Wasserbad (11) und gelangt von da auf einem Förderband in den Schlackenbunker. Lastwagen fahren die Nassschlacke in eine Aufbereitungsanlage und dann auf eine Schweizer Deponie. 

Bei der thermischen Verwertung entsteht Rauchgas (10). Es steigt in der Brennkammer auf, wo die umweltschädlichen Stickoxide sofort nach dem Katalysatorprinzip neutralisiert werden. Stickoxide sind bei sonnigem Wetter für die hohen Ozonwerte verantwortlich, den sogenannten Sommersmog. Die Abscheidung geschieht durch Einspritzen von wässrigem Ammoniak (8): Er verbindet sich mit den Stickoxiden zu Wasserdampf und zu Stickstoff.

Technische Daten
Baugleiche Ofenlinien   2
Thermische Leistung, pro Ofenlinie MW 17,5
Stapelkapazität in den zwei Abfallbunkern m3 3'250
Rückschubrost, Länge x Breite m 8,00 x 2,75
Verwertungskapazität, pro Tag t 240
Dampferzeugung, pro Stunde t 21
Schlackenaustrag, pro Tag t 50

 

4. Kesselanlage

Wasser wird erhitzter Dampf

In der Kesselanlage strömt das 950 °C heisse Rauchgas (1) um Heizflächenrohre (2). Das darin zirkulierende Wasser (5) ist entsalzt und kann sich deshalb über den Siedepunkt hinaus erwärmen: Aus dem Speisewasser wird überhitzter Dampf, der 400 °C heiss ist. Sein Druck beträgt 50 bar, was dem Wasserdruck in 490 m Meerestiefe entspricht. Vom Überhitzer (3) schiesst der Dampf in die Turbine mit gekoppeltem Stromgenerator (7).

In der Kesselanlage gibt das Rauchgas nicht nur den grössten Teil seiner Energie ab, sondern auch die Aschepartikel (1), die im Luftstrom mitfliegen: Die Flugasche setzt sich als Kesselasche (8) ab und wird zusammen mit der Elektrofilterasche in einem Silo gesammelt.

Technische Daten
Strahlungszüge   4
Eintrittstemperatur Rauchgas °C 950
Austrittstemperatur Rauchgas °C 250
Dampferzeugungs, pro Ofenlinie und pro Stunde t 21
Dampftemperatur °C 400
Dampfdruck bar 50
5. Dampfturbine

Dampf erzeugt Regiostrom und Regiowärme

Unter Hochdruck jagt der Dampf (1) in die Kondensationsturbine (2). Mit 9'500 Umdrehungen pro Minute treibt der Rotor den über ein Getriebe (6) gekoppelten Stromgenerator (9) an. Die elektrische Energie (10) fliesst direkt ins öffentliche Netz. Der entspannte Dampf (5) gibt seine Restenergie über Wärmetauscher an Wasser ab, das im regionalen Fernwärmenetz zirkuliert (5): Auf 120 °C erhitzt, heizt es die angeschlossenen Liegenschaften. Weil CO2-neutral und mehrheitlich erneuerbar, gehören der Strom und die Wärme aus dem Kehrichtheizkraftwerk zu den umweltfreundlichsten Energien überhaupt. 

Technische Daten
Dampfschluckmenge, pro Stunde t 44
Maximale Entnahmemenge, pro Stunde t 40
Entnahmedruck bar(a) 3,5
Maximale Anzapfmenge, pro Stunde t 15/3,9
Anzapfdruck bar(a) 19/1,2
Abdampfdruck bar(a) 0,08
Maximale Klemmenleistung MW 9,6
6. Elektrofilter

Staub trennt sich vom Rauchgas

Nachdem dem Rauchgas bereits in der Brennkammer die Stickoxide entzogen wurden, folgt die zweite Reinigungsstufe: die Staubabscheidung. Im Luftstrom (1) fliegen kleine Ascheteilchen mit. Zuerst laden sie sich in einem elektrischen Hochspannungsfeld (2) negativ auf, dann bleiben sie an positiv geladenen Niederschlagsplatten (3) haften. Im Zweiminutentakt klopft ein Hammer (4) die Platten ab, der Staub fällt in die Auffangtrichter (5) und gelangt über eine Fördereinrichtung in den gleichen Silo, in dem sich die Asche aus der Kesselanlage sammelt (6). Eine externe Aufbereitungsanlage verfestigt die Kessel- und Elektrofilterasche sowie den Schlamm aus der Waschwasserbehandlung, damit sich die Reststoffe für die Endlagerung auf einer Deponie eignen.

Technische Daten
Anzahl Elektrofilter   2
Aktive Felder, pro Elektrofilter   3
Auslegungsmenge, pro Stunde m3 44'823
Rauchgastemperatur beim Eintritt °C 240–280
Aktive Abscheidefläche m2 2'142
Staubgehalt beim Austritt, pro m3 mg 20
7. Rauchgaswäscher

Säuren und Schwermetalle scheiden sich ab

Aus dem Elektrofilter strömt das Rauchgas (1) in die dritte Reinigungsstufe: Der Nasswäscher besteht aus dem sogenannten Quench (2) und einem riesigen Waschturm. Bei der ersten Dusche im Quench kühlt sich das Rauchgas schlagartig von 250 auf 70 °C ab. Das Wasser nimmt Quecksilber, Flusssäure (Fluorwasserstoff) und Salzsäure (Chlorwasserstoff) auf und fliesst ins Sammelbecken mit dem Waschwasser (3). 

Im Waschturm strömt das Rauchgas durch die mit Wasser gefüllten Füllkörper (5): Die Schwermetalle dispergieren und steigen als Aerosole zu den Ringjets (9) auf. In der dritten und letzten Wasserdusche scheiden sich die Aerosole und der Feinstaub ab – das Rauchgas ist jetzt Reingas (10) und unterschreitet die gesetzlichen Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung deutlich. Mit Wasserdampf gesättigt, strömt es durch den Hochkamin in die Atmosphäre, wo es sich unschädlich verteilt.

Technische Daten
Auslegungsmenge, pro Stunde m3 50'000
Rauchgastemperatur beim Eintritt °C 240–250
Reingastemperatur beim Austritt °C 65–70
8. Abwasserbehandlung

Aus saurem Waschwasser wird neutrales Abwasser

Das Waschwasser aus der Rauchgasreinigung ist stark belastet und mit einem pH-Wert < 1 extrem sauer. Das Kehrichtheizkraftwerk hat eine eigene kleine Kläranlage, in der Fachsprache mit ABA abgekürzt. In ihr erfährt das Waschwasser eine intensive Reinigung: Zugesetzte Kalkmilch hebt den pH-Wert auf 9 an; der Stripper wäscht das überschüssige Ammoniak aus, das zur Entstickung in die Brennkammer zurückgeführt wird; Salzsäure senkt den pH-Wert in den neutralen Bereich; Fäll- und Flockmittel binden die gelösten Stoffe, die sich als Schlamm absetzen; und zuletzt entwässert die Kammerfilterpresse den ABA-Schlamm, der zusammen mit der Kessel- und Elektrofilterasche auf einer Reststoffdeponie mit Zement verfestigt wird. 

So vorbehandelt, erfüllt das Waschwasser die Bedingungen der Gewässerschutzverordnung und darf in die Kanalisation eingeleitet werden. In der 300 m entfernten kommunalen Abwasserreinigungsanlage wird es nochmals vierstufig gereinigt: mechanisch, chemisch, biologisch und mit Filtration.

Technische Daten
Durchsatz, pro Stunde m3 9