Antoniloch Dietikon

Natur- und Vogelschutzreservat

Die Abwasserreinigunganlage liegt im, die Kehrichtverwertungsanlage grenzt an ein Natur- und Vogelschutzparadies von nationaler Bedeutung: das Antoniloch. Die Dietikerin Christa Glauser vom Schweizer Vogelschutz über das kleine Paradies. 

Zeichnung der Tiere im Antoniloch in Dietikon

Die ARA von Limeco liegt im Naturschutzgebiet

Die ARA von Limeco liegt im Naturschutzgebiet

Früher sei sie drei- bis viermal pro Woche im «Antoniloch» gewesen, erzählt Christa Glauser. Leider komme sie heute nur noch etwa alle zwei Wochen dazu, hier im Dietiker Naturschutzgebiet Vögel und andere Tiere zu beobachten. Die Leidenschaft für Vögel hat sie von ihrem Vater geerbt, der einst Vogelschutzobmann war. «Wer sich ein bisschen Zeit nimmt», sagt Glauser, «wird hier viele Tiere sehen.»

Kolbenente, Kleinspecht, Pirol, Schwarzmilan, Graureiher oder der seltene Eisvogel, von dem es in der Schweiz bloss noch 250 bis 300 Paare gibt, sind hier ebenso zu Hause oder als Gast anzutreffen wie Star, Löffelente, Nacht- und Silberreiher oder die grosse Rohrdommel.

«Doch man sollte nie vergessen», so Christa Glauser weiter, «dass in den letzten 100 Jahren neben fast allen Amphibien- auch 40 Vogelarten verschwunden sind, in den letzten 25 Jahren sogar rund eine Art pro Jahr.»

Bereits 1930 wurde das Gebiet zwischen EKZ und Teischlibach entlang der Limmat durch den Regierungsrat zur Naturschutz-Reservation erklärt. Damit wollte man die reiche Tier- und Pflanzenwelt «für alle Zeiten erhalten». Während das Gebiet bis Ende der 1950er Jahre noch weitgehend im Kulturland eingebettet war, setzte ab 1960 rege Bautätigkeit in der Umgebung ein. Der Lebensraumverlust und der zunehmende Erholungsdruck hatten zur Folge, dass viele Tierarten im Schutzgebiet ausstarben. 1989 wurde daher ein Optimierungskonzept erarbeitet mit den Schwerpunkten Neuschaffung von Gewässern, Entbuschen und Besucherlenkung. Dank der erfolgreichen Umsetzung des Konzepts konnte der ständige Artenrückgang erstmals gestoppt werden.

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Markante Architektur: Steinkorbfassade der ARA mit Nistkästen für Vögel

ARA Limeco

Steinkorbfassade ist Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Reptilien und Insekten

Einen kurzen Moment muss Architekt Urs Hürner überlegen. «Was ist so speziell an der Abwasserreinigungsanlage in Dietikon?», wiederholt er die Frage. «Vieles, aber ich sollte wohl zuerst über meine Rolle beim Projekt sprechen.» Die Geschichte beginnt im Jahr 1972, als der gebürtige Basler von Lausanne ins Limmattal kam und rund 800 Meter neben dem Naturschutzgebiet «Antoniloch» wohnte. «Ich war von dieser Region von Beginn weg begeistert», vieles funktioniere bis heute einwandfrei nebeneinander, Industrie, Natur, Wohngebiete, Einkaufszentren, Rangierbahnhof und so weiter. «Hier fand und findet eine ständige Entwicklung statt, das macht diese Region so interessant.»

Nach seinem Studium 1973 in Zürich war Urs Hürner bereits beim Bau des Kehrichtheizkraftwerks von Limeco der federführende Architekt (1996). «Für die Planung der neuen ARA wurde ich deshalb vom Generalplanungsbüro TBF & Partner AG als projektverfassender Architekt beigezogen. Die Projektleitung nach dem Baubeginn 2004 übernahm einer seiner früheren Partner, «ich selbst bin erst für die Fertigstellungsarbeiten wieder eingestiegen».

In Kalifornien und in Dietikon

Urs Hürner möchte sich auf keinen Fall mit fremden Federn schmücken, und trotzdem: Das optische Prunkstück der neuen ARA, eine Fassade aus Steinkörben, die vielen Tieren einen neuen Lebensraum gibt, hat er mit seinem Team entwickelt. Auf diese spezielle Fassade angesprochen, muss Urs Hürner in seiner Schilderung erneut etwas ausholen. Die Idee sei nicht neu, gibt er unumwunden zu. Er bezieht sich auf ein Weingut vom bekannten Architekturbüro Herzog & de Meuron im Napa Valley in Kalifornien, das ebenfalls mit Steinkorbfassaden gebaut wurde. In konstruktiver Zusammenarbeit mit der Dietikerin Christa Glauser vom Schweizer Vogelschutz, die er schon im Rahmen des Neubaus des Kehrichtheizkraftwerks kennengelernt hatte, habe er die Idee weiterentwickelt.

«Als ich Limeco erstmals von dieser lebendigen Fassade erzählte, haben mich alle mit grossen Augen angeschaut. Natürlich hatte man Angst, dass eine solche Fassade die Kosten sprengen würde. Am Ende aber hat sie nicht mehr gekostet als eine normale Industriefassade.» Die passenden Steine, gelbgraue Kalksteine, fand man im Aargauer Rheintal, die integrierten Nistkästen für die verschiedenen Vogelarten kommen aus Deutschland.

Es sei nicht bloss die Fassade, die speziell sei, betont Urs Hürner. Die neue ARA wurde komplett auf den alten Becken und den bestehenden Gebäuden aufgebaut. Weil der Platz im Naturschutzgebiet begrenzt ist, die Reinigungsleistung aber massiv erhöht werden musste, habe man anstatt in die Breite in die Höhe gebaut. Ein zweiter Grund war dabei der Schutz der Umwelt im Falle von Hochwasser der Limmat. Die ARA sei daher im Ganzen ein durch und durch innovatives Projekt.

Natürlich verspüre er eine gewisse Genugtuung. Vor allem aber dürfe er der Bauherrschaft, die stets für Ideen offen war, ein Lob aussprechen. Man habe Natur, Technik und Architektur stets Rechnung getragen, «so etwas erlebt man bei so komplexen, techniklastigen Projekten über eine solch lange Bauphase selten».