Tobias Wildi über die wärmegeführte Kehrichtverwertungsanlage und die technischen Optimierungen.
Tobias Wildi ist Leiter Thermische Verwertung von Limeco

Limeco führt die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in ein wärmegeführtes Kraftwerk über und versorgt das Limmattal mit umweltfreundlicher Regiowärme. Die nötige Erweiterung der Wärmeauskopplung begann im Herbst 2017. Dank ihr kann Limeco den stark wachsenden Wärmebedarf durch die noch ungenutzte Wärmeleistung der KVA abdecken. 

Die Führungsorgane von Limeco und die Bevölkerung des Limmattals werden 2018 wegweisende Entscheidungen fällen. Sie haben Auswirkung auf den Betrieb und die Instandhaltung der KVA. Ums Jahr 2035 erreicht die Anlage ihr technisches Lebensende. Investitionen und Instandhaltungsarbeiten werden darum auf das Nötigste beschränkt und die Restlebensdauer einzelner Anlagensysteme wird auf das Lebensende der KVA abgestimmt. Das macht betriebswirtschaftlich am meisten Sinn. Die Sicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bleiben stets gewahrt. Dieser Balanceakt fordert viel Umsicht des Betriebs- und des Instandhaltungspersonals. Er verlangt einerseits fundiertes Wissen über den Zustand der Anlage, andererseits rückt der treuhänderische Umgang mit den finanziellen Mitteln noch mehr ins Zentrum des Handelns als bisher.

Im Berichtsjahr verwertete Limeco total 91'319 t brennbaren Abfall bei einer konstant hohen Verwertungskapazität, was einer Abnahme von rund 4% gegenüber 2016 entspricht. Der Rückgang gegenüber dem Rekordjahr war bedingt durch zwei notwendige Revisions- resp. Reinigungsunterbrüche an beiden Ofenlinien. Die Verfügbarkeit betrug 96%. Ofenlinie 1 wurde mit einem optimierten Verbrennungsluftsystem ausgerüstet, wichtige Anlagenteile sind ersetzt worden. 

Veränderung Kehrichtanlieferungen

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Einheit 2017
Trägergemeinden % 0.4
DILECA % 0.2
Vertragsgemeinden Zürich % 0.0
Vertragsgemeinden Aargau % -2.0
Direktanliefernde % -8.2

Abfall

44,8% des angelieferten Abfalls stammen aus den Träger- und Vertragsgemeinden, Direktanliefernde steuern 55,2% bei. Mit Stichproben prüft Limeco, ob der angelieferte Abfall die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, den Annahmebestimmungen entspricht und korrekt deklariert ist. Jede Ofenlinie verwertete 5,5 t Abfall pro Stunde. 

 

Regiowärme

2017 produzierte Limeco 25'520 MWh Wärme, die 30 Kunden entweder in Form von Heisswasser (3,5 bar und 120 °C) oder in Form von Dampf (19 bar und 400 °C) bezogen. Dank Regiowärme liessen sich rund 4,2 Millionen l Heizöl einsparen.

Regiostrom

2017 stellte Limeco 67’333 MWh Strom für einen Energieversorger und für den eigenen Bedarf her. Das entspricht dem Verbrauch von 19'238 Haushalten.

Rauchgasreinigung

Die Rauchgasreinigungsanlage besteht aus Elektrofilter, Gaswäscher, Entstickungsanlage und einer Abscheidestufe für Dioxin und Furane. Flugasche und Staubpartikel setzen sich im Filter ab. Durch Nasswäsche sowie Entstickung entzieht Limeco dem Rauchgas die schädlichen Verbindungen Chlorwasserstoff, Fluorwasserstoff, Schwefeldioxid und Stickoxid sowie Schwermetalle wie Quecksilber. Dank einer neuen Verfahrensstufe scheiden sich Dioxine und Furane in regenerierter Aktivkohle ab. Das Reingas verteilt sich über den Hochkamin unschädlich in der Atmosphäre. Im Berichtsjahr unterschritt es die Grenzwerte der Schweizer Luftreinhalte-Verordnung deutlich.

Abwasserbehandlung

In der Abwasserbehandlungsanlage durchläuft das Waschwasser aus dem Rauchgaswäscher drei Stufen: Neutralisation, Fällung und Flockung. Durch Zugabe von Chemikalien binden sich die Schadstoffe und setzen sich als Schlamm ab, der in einer Kammerfilterpresse entwässert wird. Das Prozessabwasser fliesst durch die Kanalisation in die ARA von Limeco, wo es nochmals mechanisch, chemisch, biologisch und durch Filtration gereinigt wird. Im Berichtsjahr unterschritt das Abwasser die Grenzwerte der Gewässerschutzverordnung deutlich.

Schlacke

Pro Tonne Kehricht fallen zwischen 180 und 250 kg Schlacke an, insgesamt 20'163 t im Jahr 2017. Daraus konnten 2'016 t Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle zurückgewonnen werden. Die Verbrennungsqualität der KVA zeigt sich anhand des gesamten organischen Kohlenstoffs (TOC), der höchstens 2% des Schlackengewichts ausmachen darf. Mit 0,96% unterschritt Limeco den erlaubten Grenzwert deutlich.

Reststoffverwertung

Die in der Kesselanlage und im Elektrofilter gesammelte Asche (1'553 t), den Schlamm aus der Abwasserbehandlungsanlage (411 t) und die von Metall befreite Schlacke (20'163 t) lagerte Limeco gesetzeskonform auf Schweizer Reststoff- und Reaktordeponien ab.

Feuerung

Limeco nahm an der Ofenlinie neue Verbrennungs-Luftvorwärmungen in Betrieb und ersetzte den Entschlacker. 

Abfallbunker

Um die Vorgaben der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) beim Abfallbunker zu erfüllen, realisierte Limeco das Projekt «Sichere Abwurfstelle».

Emissionen im Reingas

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Einheit Grenzwert Limeco Tagesmittelwert
Staub mg/m3 10 26%
Schwefeloxide (SO2) mg/m3 50 2%
Stickoxide (NOx) mg/m3 80 77%
Kohlenmonoxid (CO) mg/m3 50 17%
Schwermetalle (z.B. Quecksilber) mg/m3 0,1 <1%

Verschiedenes

Die KVA ist mit dem Label «naturemade basic» zertifiziert. Das Zertifikat gilt bis Ende 2018. Unter dem Namen «Limeco Regiostrom» verkaufte Limeco einen Teil ihrer erneuerbaren Energie an die Stadt Dietikon. 20% sind «naturemade star»-zertifiziert und stammen aus Wasserkraft respektive Biomasse.

Limeco hielt im Berichtsjahr wiederum negative Tertiärregelleistung für Swissgrid vor und leistete so einen Beitrag zur Stabilisierung der Netzfrequenz.

Im Berichtsjahr führte Limeco 264 Abfallkontrollen durch und musste zwei technisch relevante Beanstandungen machen. Behördlich relevante Beanstandungen gab es keine.