Tobias Wildi über den Kulturwandel in seinem Bereich und den Balanceakt bis zum «Golden End» der KVA.
Tobias Wildi ist Leiter Thermische Verwertung von Limeco
Kulturwandel im Bereich Thermische Verwertung.

Das strategische Ziel, im Jahr 2034 eine neue KVA auf dem Areal von Limeco in Betrieb zu nehmen, beeinflusst nicht nur die zukünftigen Investitionen zum Funktionserhalt der bestehenden KVA, sondern auch die Organisationseinheit Thermische Verwertung mit ihren Mitarbeitenden in Betrieb und Instandhaltung. Die Verschiebung des Fokus vom «Geradeausbetrieb» zum «Golden End» der KVA und die Aussicht auf eine neue Anlage haben die Perspektiven und Anforderungen ans Team wesentlich verändert. So müssen liebgewonnene beziehungsweise langjährig erprobte Gewohnheiten neuen weichen. Die fortschreitende Automation der Anlage, neue Anlagenprojekte oder der grosse Ausbau von Limeco Regiowärme, das sind alles Veränderungen, welche die einzelnen Mitarbeitenden stark forderten und auch in Zukunft fordern werden. Denn das Jahr 2019 ist der Auftakt für den Kulturwandel in der Belegschaft des Bereichs, der sich mit dem «Golden End» der bestehenden und dem Bau der neuen KVA sicher noch akzentuieren wird.

Fernwärme: neue Stärke der KVA.

Wir erhöhten 2019 erneut die Wärmeauskopplung der KVA und gaben mehr als doppelt so viel Wärme an das Regiowärmenetz ab als im Vorjahr. Erstmals in ihrer Geschichte konnte die KVA bis zu ihrer Leistungsgrenze CO2-freie Abwärme an Limeco Regiowärme abgeben. Damit unsere Regiowärme-Kunden auch bei einer allfälligen Anlagenstörung ohne Unterbruch mit Wärme beliefert werden können, nahmen wir einen neuen Heisswasserkessel mit einer Leistung von 20 Megawatt in Betrieb.

Balanceakt bis zum «Golden End» der KVA.

2033 erreicht die KVA das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Im Golden-End-Szenario geht es darum, die Restlebensdauer von Anlagesystemen betriebswirtschaftlich optimal auf diesen Zeitpunkt abzustimmen. Wir überprüfen deshalb alle Investitionen und Instandhaltungsarbeiten systematisch und beschränken sie auf das Notwendigste. Gesundheitsschutz, Sicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bleiben dabei jederzeit gewahrt. Ein Balanceakt, der fundiertes Wissen über den Zustand der Anlage und grosse Umsicht des Betriebs- und Instandhaltungspersonals voraussetzt. Im Fokus bleibt der treuhänderische Umgang mit den finanziellen Mitteln.

Neuer Rekord: KVA verwertete 94'112 Tonnen Abfall.

Gegenüber dem bereits erfolgreichen Vorjahr konnten wir die Anlagenkapazität erneut steigern. Zu diesem positiven Ergebnis beigetragen hat auch, dass beide Revisionen, bei denen die KVA abgestellt werden musste, pünktlich abgeschlossen wurden.

Veränderung Kehrichtanlieferungen

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Einheit 2019
Trägergemeinden % -0,2
DILECA % 8,1
Vertragsgemeinden Zürich % 0,3
Vertragsgemeinden Aargau % -4,3
Direktanliefernde % 2,2

DILECA: bis 2018 15 Gemeinden, ab 2019 16 Gemeinden

 

Abfall

Von den insgesamt angelieferten 94'040 Tonnen Abfall stammten 45,1% aus den angeschlossenen Gemeinden und 54,9% von Direktanliefernden. Mit Stichproben prüft Limeco, ob der angelieferte Abfall die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, den Annahmebestimmungen entspricht und korrekt deklariert ist. Jede Ofenlinie der KVA verwertete durchschnittlich 5,5 Tonnen Abfall pro Stunde.

Erneute Steigerung der Energieeffizienz der Kehrichtverwertungsanlage dank Wärmeabsatz an die Regiowärme-Kunden im Limmattal.

Regiowärme

2019 produzierte die KVA 65'334 Megawattstunden Wärme, die 128 Kunden entweder in Form von Heisswasser (3,5 bar und 120°C) oder in Form von Dampf (19 bar und 400°C) bezogen. Dank Regiowärme liessen sich über 8,4 Millionen Liter Heizöl einsparen.

Regiostrom

2019 stellte Limeco 61’154 Megawattstunden Strom für einen Energieversorger und für den eigenen Bedarf her. Das entspricht dem Verbrauch von 17'473 Haushalten.

Rauchgasreinigung

Die Rauchgasreinigungsanlage besteht aus Elektrofilter, Gaswäscher, Entstickungsanlage und einer Abscheidestufe für Dioxin und Furane. Flugasche und Staubpartikel setzen sich im Filter ab. Durch Nasswäsche sowie Entstickung entzieht Limeco dem Rauchgas die schädlichen Verbindungen Chlorwasserstoff, Fluorwasserstoff, Schwefeldioxid und Stickoxid sowie Schwermetalle wie Quecksilber. In einer weiteren Verfahrensstufe scheiden sich Dioxine und Furane in regenerierter Aktivkohle ab. Das Reingas verteilt sich über den Hochkamin unschädlich in der Atmosphäre. Im Berichtsjahr unterschritt es die Grenzwerte der Schweizer Luftreinhalte-Verordnung deutlich.

Abwasserbehandlung

In der Abwasserbehandlungsanlage durchläuft das Waschwasser aus dem Rauchgaswäscher drei Stufen: Neutralisation, Fällung und Flockung. Durch Zugabe von Chemikalien binden sich die Schadstoffe und setzen sich als Schlamm ab, der in einer Kammerfilterpresse entwässert wird. Das Prozessabwasser fliesst durch die Kanalisation in die 300 Meter entfernte Abwasserreinigungsanlage von Limeco, wo es nochmals mechanisch, chemisch, biologisch und durch Filtration gereinigt wird. Im Berichtsjahr unterschritt das Abwasser die Grenzwerte der Gewässerschutzverordnung deutlich.

Schlacke

Pro Tonne Kehricht fallen zwischen 180 und 250 Kilogramm Schlacke an, insgesamt 20'198 Tonnen im Jahr 2019. Daraus konnten 2’301 Tonnen Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle zurückgewonnen werden. Die Verbrennungsqualität der KVA zeigt sich anhand des gesamten organischen Kohlenstoffs (TOC), der höchstens 2% des Schlackengewichts ausmachen darf. Mit durchschnittlich 0,68% unterschritt Limeco den national erlaubten Grenzwert deutlich.

Reststoffverwertung

Die in der Kesselanlage und im Elektrofilter gesammelte Asche (1'543 t), den Schlamm aus der Abwasserbehandlungsanlage (455 t) und die von Metall befreite Schlacke (17'811 t) lagerte Limeco gesetzeskonform auf Schweizer Reststoff- und Reaktordeponien ab.

Emissionen im Reingas

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Einheit Grenzwert Limeco Tagesmittelwert
Staub mg/m3 10 0,2 (2%)
Schwefeloxide (SO2) mg/m3 50 0,6 (1%)
Stickoxide (NOx) mg/m3 80 69,3 (87%)
Kohlenmonoxid (CO) mg/m3 50 4,1 (8%)
Schwermetalle (z.B. Quecksilber) mg/m3 0,1 - (unter 1%)
Kehrichtverwertungsanlage wird weiter optimiert.

Wärmeauskopplung

Im Berichtsjahr installierten wir im Fernwärmenetz ein 20 Megawatt starken Heisswasserkessel. Dieser dient einerseits als Backup zur Sicherstellung der Wärmelieferungen an unsere Kunden bei einem Totalausfall der KVA und andererseits zur Abdeckung eines temporär hohen Bedarfs im Regiowärmenetz, der die Leistungskapazität der KVA übersteigt.

Verschiedenes

Die KVA ist mit dem Label «naturemade basic» zertifiziert. Das Zertifikat gilt bis Ende 2023. Unter dem Namen «Limeco Regiostrom» verkaufte Limeco auch im Berichtsjahr einen Teil ihrer erneuerbaren Energie an die Stadt Dietikon. 20% sind «naturemade star»-zertifiziert und stammen aus Wasserkraft respektive Biomasse.

Limeco hielt im Berichtsjahr wiederum negative Tertiärregelleistung für Swissgrid vor und leistete so einen Beitrag zur Stabilisierung der Netzfrequenz.

Im Berichtsjahr führte Limeco 244 Abfallkontrollen durch und musste fünf technisch relevante Beanstandungen machen. Behördlich relevante Beanstandungen gab es keine.