Pascal Vogel zur Jahresrechnung 2020: Ein finanzintensives Jahr kommt zu einem guten Abschluss.
Pascal Vogel ist Leiter Finanzen und Administration

Die Jahresrechnung für 2020 ist die zweite, die nach dem im letzten Jahr eingeführten Rechnungslegungsstandard HRM II erstellt wurde. Mit dem Jahr 2020 haben wir erneut ein finanzintensives Jahr mit Gesamtinvestitionen von über 36 Millionen Franken abgeschlossen, die eine Erhöhung des Fremdkapitals um 18 Millionen Franken bedingten. Dank unserer Bonität und dem weiterhin günstigen Zinsumfeld konnten wir auch dieses Jahr das Fremdkapital zu äusserst attraktiven Konditionen aufnehmen.

Gesamtsituation

Dank der soliden Selbstfinanzierung von rund CHF 16 Millionen Franken, was einem Selbstfinanzierungsgrad von 45% entspricht, ist der Eigenfinanzierungsgrad trotz der hohen Investitionen weiter auf über 17% angestiegen.

Neben der im Jahr 2018 emittierten achtjährigen Anleihe stellt Limeco weiterhin kurzfristige Finanzierungen zur Verfügung. Allerdings sind auch diese kurzfristigen Kredite durch einen Rahmenkreditvertrag mit der ZKB langfristig abgesichert. Damit erreicht Limeco einen Anlagedeckungsgrad 2 von über 100% und kann somit weiterhin fristenkongruent bleiben (goldene Bilanzregel).

Die Jahresrechnung 2020 zeichnet ein positives Bild über das gesamte Unternehmen. So konnten im Bereich der thermischen Verwertung Eigenkapitalbeiträge von knapp 6,5 Millionen Franken verzeichnet werden, während der Bereich der Abwasserentsorgung mit rund 927’000 Franken unter Budget abschliessen konnte.

Bemerkenswert ist auch das Ergebnis des Geschäftsbereichs Erneuerbare Energien. Erstmals seit dem Beginn des Ausbaus der Limeco Regiowärme im Jahr 2016 und vier Jahre früher als laut Businessplan kalkuliert, kann der Bereich einen Gewinn ausweisen.

Zu den Finanzzahlen

Die Kennzahlen nach Geschäftsbereichen aufgeschlüsselt.

Abwasserwirtschaft

Der Bereich Abwasserwirtschaft erbringt Dienstleistungen, die nicht direkt fakturiert werden können und verzeichnet daher nur geringe direkte Einnahmen. Aus diesem Grund wird der Bereich als «Costcenter» geführt und durch Betriebskostenbeiträge der Gemeinden finanziert. Dies führt zu einem ausgeglichenen Rechnungsabschluss am Ende des jeweiligen Geschäftsjahres. Um den Bereich beurteilen zu können, ist es daher notwendig, die Entwicklung der Kosten zu betrachten.

Mit Kosten von rund 9,5 Millionen Franken ist der Bereich Abwasserwirtschaft rund 300’000 Franken über dem Vorjahr, jedoch rund 927’000 Franken unter Budget geblieben.

Das Ergebnis wurde durch rund 250’000 Franken nicht benötigte bzw. genutzte Fremdleistungen erreicht. Dies ist einerseits durch die auf die Folgejahre verschobenen Aufträge zu erklären, andererseits aber auch auf ein Mehr an Eigenleistungen. Darüber hinaus mussten einige geplante Wartungsarbeiten auf das nächste Jahr verschoben werden.

Vergleicht man das Ergebnis mit jenen der Vorjahre, so zeigt sich ein sehr positives Bild. Dank des hohen Kostenbewusstseins und der Optimierung der Anlagen sind die Kosten generell gesunken, und dies trotz der zunehmenden zu behandelnden Abwassermenge sowie der steigenden Qualitätsanforderungen.

Entwicklung der Betriebskostenbeiträge

Tabelle anzeigen
Einheit 2018 2019 2020
Effektive Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 9'939 9'227 9'540
Budgetierte Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 11'482 9'642 10'467

Thermische Verwertung

Der Bereich Thermische Verwertung betreibt die Kehrichtverwertungsanlage (KVA). Im Hinblick auf das Ende ihrer technischen Lebensdauer per Ende 2033, ist es unser erklärtes Ziel, bis dahin die Anlage so kostengünstig und ertragseffizient wie möglich zu betreiben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Limeco, genauso wie dies Privatpersonen bei der Finanzierung ihres Eigenheims tun müssen, ausreichend Eigenmittel für den erforderlichen Neubau der KVA aufbringen muss, damit die neue Anlage einerseits finanziert, aber vor allem auch kostenoptimiert betrieben werden kann. Aus diesem Grund wird bei jeder Investition, die noch die bestehende Anlage betrifft – und dies natürlich auch im Bereich der Instandhaltung – geprüft, ob sich der Aufwand noch effektiv lohnt.

Diese Grundhaltung widerspiegelt sich wie schon im letzten Jahr auch in der Jahresrechnung 2020. So konnten die Unterhaltskosten trotz der erfolgten grossen Revision (Doppelabsteller) auf dem Niveau der Vorjahre gehalten werden.

Auch auf der Ertragsseite konnten 2020 positive Resultate erzielt werden. Dank eines gut geplanten Abfallmanagements konnte das Ergebnis gesteigert werden. Der Verkauf von thermischer Energie stieg wie geplant stark an, was den Verfall der Strompreise und damit den Rückgang der Stromerlöse mehr als kompensierte.

Das positive Ergebnis ist auch auf die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 276’000 Schweizer Franken zurückzuführen, die nicht benötigt wurden. Das auf den ersten Blick positive Ergebnis ist auch deshalb zu relativieren, weil es zum Teil auf die Änderung der Rechnungslegung zurückzuführen ist. Mit rund 370’000 Franken war der Abschreibungsaufwand im Berichtsjahr noch sehr gering, wird aber in den Folgejahren markant ansteigen. Dies wird das Ergebnis belasten und die Beiträge zum Eigenkapital entsprechend reduzieren.

Verfahren Preisüberwacher

Der Preisüberwacher leitete 2018 ein formelles Untersuchungsverfahren zu den Verrechnungspreisen der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) von Limeco ein. Mit der Verfügung vom 16. September 2020 will er Limeco verpflichten, den Preis für die Verwertung des Siedlungsabfalls der Zürcher Einliefergemeinden in der KVA zu senken.

Limeco ist überzeugt, dass ihre Verrechnungspreise für die Verwertung des Siedlungsabfalls den Vorgaben von Bund und Kanton Zürich entsprechen. Aus Sicht von Limeco sind die Preise angemessen und für eine nachhaltige, kostendeckende und verursachergerechte Entsorgung des Siedlungsabfalls notwendig. Aus diesem Grund hat Limeco beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen Beschwerde gegen die Verfügung des Preisüberwachers eingelegt. Das Verfahren ist aktuell im Gange.

Erneuerbare Energien

Der Bereich Erneuerbare Energien betreibt Limeco Regiowärme.

Limeco Regiowärme befindet sich nach wie vor im Aufbau. Dies in den Bereichen Administration, Verkauf und Unterhalt, aber vor allem beim Ausbau des Regiowärmenetzes. Leider konnten die geplanten Stellen nicht wie budgetiert besetzt werden, was dazu führte, dass der Personalaufwand fast CHF 400’000 tiefer ausfiel als vorgesehen.

Mit einem Aufwand von über 18 Millionen Schweizer Franken wurde 2020 das Versorgungsnetz weiter ausgebaut, und auch der Verkauf lief weiterhin sehr gut. Die Anstrengungen der vergangenen Jahre spiegeln sich nun im Ergebnis wider. Dieses konnte im Vergleich zum Vorjahr um über 800’000 Franken gesteigert werden.

Die sehr tiefen Unterhaltskosten sowie die Auflösung von nicht benötigten Rückstellungen über 237’000 Franken haben das Ergebnis ebenfalls positiv beeinflusst.

Insgesamt kann der Bereich zum ersten Mal seit Beginn des Ausbaus von Limeco Regiowärme, und vier Jahre früher als im Businessplan berechnet, einen Gewinn von über 485’000 Franken verbuchen. Damit verringert sich der Verlustvortrag auf unter 3,9 Millionen Franken.

Liegenschaften für Ersatzneubauten

Die Transaktionen im Zusammenhang mit dem Grundstückskauf werden auf einer separaten Kostenstelle ausgewiesen. Aufgrund des günstigen Zinsumfelds konnte das Ergebnis gegenüber dem Vorjahr verbessert und somit der Verlustvortrag reduziert und ein Eigenkapital von 140’000 Schweizer Franken aufgebaut werden.