Tobias Wildi über Höchstleistungen in einem äusserst schwierigen Umfeld.
Tobias Wildi ist Leiter Thermische Verwertung von Limeco
Fernwärmeprojekte unter dem Eindruck der Corona-Pandemie.

Das Betriebsjahr 2020 der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Limeco wird in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Die gestellte Aufgabe umfasste die Umsetzung eines der grössten Investitionsvolumen zur Steigerung der Energieauskopplungskapazität in der bisherigen Betriebszeit der KVA. Die Einbindung dieser neuen Wärmerückgewinnungssysteme erforderte u.a. einen Totalstillstand der Anlage. Dies wurde im August 2020 erfolgreich umgesetzt und die nachfolgende Inbetriebnahme der neuen Systeme im Herbst 2020 erfolgte rechtzeitig, so dass die so erhöhte Wärmeauskopplungsleistung der KVA bereits im kalten Winterhalbjahr 2020/21 zur Verfügung gestellt wurde.

Neben all diesen herausfordernden Wärmerückgewinnungsprojekten wurden quasi nebenbei wesentliche Optimierungen in der Automatisierung der Anlage und im Anlieferungsprozess umgesetzt. All diese Leistungen sind insbesondere bemerkenswert, da die Umsetzung unter der im Frühjahr aufgetretenen Corona-Pandemie erfolgen musste und sich das zuständige Team der thermischen Verwertung erst im Jahr 2020 neu formieren konnte. Dem unermüdlichen Einsatz der einzelnen Mitarbeitenden und Führungskräfte ist dieser Erfolg zu verdanken.

«Golden End» der KVA bleibt im Fokus.

2033 erreicht die KVA das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Im Golden-End-Szenario geht es darum, die Restlebensdauer von Anlagesystemen betriebswirtschaftlich optimal auf diesen Zeitpunkt abzustimmen. Wir überprüfen deshalb alle Investitionen und Instandhaltungsarbeiten systematisch und beschränken sie auf das Notwendigste. Gesundheitsschutz, Sicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bleiben dabei jederzeit gewahrt. Der eingeschlagene Weg bleibt nach wie vor im Fokus. Dies trotz der laufenden Fernwärme-Ausbauprojekten.

Die KVA verwertete 93’870 Tonnen Abfall.

Trotz des Totalstillstands der Anlage infolge der Revision im August konnte die gesamthaft thermisch verwertete Abfallmenge der Anlage im Bereich des Vorjahres gehalten werden. Das präzise Abfallmanagement sorgte dafür, dass sämtlicher kommunaler Kehricht der Trägergemeinden trotz Anlagenstillstand bei Limeco verwertet werden konnte. Der genau geplante Totalstillstand der Anlage hat zu diesem erfolgreichen Resultat beigetragen.

Veränderung Kehrichtanlieferungen

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Einheit 2020
Trägergemeinden % 2,2
DILECA % 4,2
Vertragsgemeinden Zürich % 4,3
Vertragsgemeinden Aargau % -14,2
Direktanliefernde % -1,0

Abfall

Von den insgesamt angelieferten 93‘840 Tonnen Abfall stammten 44,3% aus den angeschlossenen Gemeinden und 55,6% von Direktanliefernden. Mit Stichproben prüfte Limeco, ob der angelieferte Abfall die gesetzlichen Vorgaben erfüllte, den Annahmebestimmungen entsprach und korrekt deklariert war. Jede Ofenlinie der KVA verwertete durchschnittlich 5,5 Tonnen Abfall pro Stunde.

Energieeffizienz der Kehrichtverwertungsanlage steigt weiter.

Die Energieeffizienz der Kehrichtverwertungsanlage steigt weiter: Im Betriebsjahr 2020 konnte der ENE von 0,61 auf 0,63 gesteigert werden. Mit der Kennzahl «Energetische Netto Effizienz (ENE)» ist es möglich, konkret zu beurteilen, ob und wie viel die Energienutzung einer Anlage besser ist, als die Energienutzung einer anderen. Im Jahr 2023 sollen die Zürcher KVA gemäss den Vorgaben des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) einen Zielwert von 0,65 erreichen.

Regiowärme

Mit dem oben beschriebenen Zubau der neuen Wärmerückgewinnungsprojekte wurde die Energieeffizienz der Anlage weiter gesteigert. 2020 produzierte die KVA 73’904 MWh Wärme, die an 170 Kunden entweder in Form von Heisswasser (3,5 bar und 120°C) oder in Form von Dampf (19 bar und 400°C) bezogen. Dank Regiowärme haben wir über 9,6 Millionen Liter Heizöl eingespart.

Regiostrom

2020 stellte Limeco 60’361 Megawattstunden Strom für einen Energieversorger und für den eigenen Bedarf her. Das entspricht dem Verbrauch von 17’246 Haushalten.

Rauchgasreinigung

Die Rauchgasreinigungsanlage besteht aus Elektrofilter, Gaswäscher, Entstickungsanlage und einer Abscheidestufe für Dioxin und Furane. Flugasche und Staubpartikel setzen sich im Filter ab. Durch Nasswäsche sowie Entstickung entzieht Limeco dem Rauchgas die schädlichen Verbindungen Chlorwasserstoff, Fluorwasserstoff, Schwefeldioxid und Stickoxid sowie Schwermetalle wie Quecksilber. In einer weiteren Verfahrensstufe scheiden sich Dioxine und Furane in regenerierter Aktivkohle ab. Das Reingas wird über den Hochkamin unschädlich in die Atmosphäre abgegeben. Im Berichtsjahr wurden die Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung deutlich unterschritten.

Abwasserbehandlung

In der Abwasserbehandlungsanlage durchläuft das Waschwasser aus dem Rauchgaswäscher drei Stufen: Neutralisation, Fällung und Flockung. Durch Zugabe von Chemikalien binden sich die Schadstoffe und setzen sich als Schlamm ab, der in einer Kammerfilterpresse entwässert wird. Das Prozessabwasser fliesst durch die Kanalisation in die 300 Meter entfernte Abwasserreinigungsanlage von Limeco, wo es nochmals mechanisch, chemisch, biologisch und durch Filtration gereinigt wird. Im Berichtsjahr unterschritt das Abwasser die Grenzwerte der Gewässerschutzverordnung deutlich.

Schlacke

Pro Tonne Kehricht fallen zwischen 180 und 250 Kilogramm Schlacke an, insgesamt 20’511 Tonnen im Jahr 2020. Daraus wurden 2’437 Tonnen Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle zurückgewonnen. Die Verbrennungsqualität der KVA zeigt sich anhand des gesamten organischen Kohlenstoffs (TOC), der höchstens 2% des Schlackengewichts ausmachen darf. Mit durchschnittlich 0,63% unterschritt Limeco den national erlaubten Grenzwert deutlich.

Reststoffverwertung

Die in der Kesselanlage und im Elektrofilter gesammelte Asche (1’507 t), den Schlamm aus der Abwasserbehandlungsanlage (444 t) und die von Metall befreite Schlacke (18’074 t) lagerte Limeco gesetzeskonform auf Schweizer Reststoff- und Reaktordeponien ab.

Emissionen im Reingas

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Einheit Grenzwert Limeco Tagesmittelwert
Staub mg/m3 10 0,2 (2%)
Schwefeloxide (SO2) mg/m3 50 0,6 (1%)
Stickoxide (NOx) mg/m3 80 69,3 (87%)
Kohlenmonoxid (CO) mg/m3 50 4,1 (8%)
Schwermetalle (z.B. Quecksilber) mg/m3 0,1 - (unter 1%)
Kehrichtverwertungsanlage wird weiter optimiert.

Automatisierung / Sicherheit / Instandhaltung

Im Berichtsjahr wurde neben den Wärmerückgewinnungsprojekten in verschiedene Automatisierungs- und Sicherheitsprojekte investiert. Dazu gehören beispielsweise ein Update des Prozessleitsystems, der Ersatz der abgenutzten Einfülltrichter und Schurren beider Ofenlinien, das automatisierte Waag- und Anlieferungssystem und der Einbau der Radioaktivitätskontrolle im Wägebereich.

Verschiedenes

Die KVA ist mit dem Label «naturemade basic» zertifiziert. Das Zertifikat gilt bis Ende 2023. Unter dem Namen «Limeco Regiostrom» verkaufte Limeco auch im Berichtsjahr einen Teil ihrer erneuerbaren Energie an die Stadt Dietikon. 20% sind «naturemade star»-zertifiziert und stammen aus Wasserkraft respektive Biomasse.

Limeco hielt im Berichtsjahr wiederum negative Tertiärregelleistung für Swissgrid vor und leistete so einen Beitrag zur Stabilisierung der Netzfrequenz.

Im Berichtsjahr führte Limeco 255 Abfallkontrollen durch und musste eine technisch relevante Beanstandung machen. Behördlich relevante Beanstandungen gab es keine.