Testplanung Limmattaler Energiezentrum

Aufgrund der Vorgaben des Gewässer-, Umwelt- und Klimaschutzes muss die Abwasserreinigungsanlage (ARA) bis 2034 erweitert und bis 2050 neu gebaut werden. Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) ihrerseits erreicht das Ende ihrer technischen Lebenszeit und muss bis 2034 ebenfalls erneuert werden. Die Gründe sind vielfältig: verschärfte Regulierungen, die wachsende Bevölkerung im Limmattal, das Alter der heutigen Anlagen.

Studienauftrag für drei Teams

2022 führte Limeco deshalb eine Testplanung mit drei interdisziplinären Teams durch, um bestmögliche Lösungen für den Standort und die Grundstücke in Dietikon aufzuzeigen. Die komplexe Gesamterneuerung wird etappiert umgesetzt und soll einen möglichst grossen Beitrag zur Energie- und Klimawende im Limmattal leisten – deshalb der Name «Limmattaler Energiezentrum».

3 Bilder mit Sicht auf die Reppisch

Visualisierung von Projekten der Testplanung aus östlicher Sicht von der Reppisch

Was ist eine Testplanung?

Eine Testplanung ist ein Planungsverfahren, mit dem sich Rahmenbedingungen und offene Fragen für schwierige planerische Probleme klären und Lösungsansätze erproben lassen, also eine bewährte Methode, um möglichst viele Erkenntnisse zu gewinnen, worauf in der späteren Realisierung zu achten ist. Mit dem Studienauftrag «Limmattaler Energiezentrum» will Limeco herausfinden, wie der Standort in Dietikon mit Zeithorizont bis 2050 sinnvoll entwickelt werden kann, um die langfristig beste Lösung für die Nutzung ihrer Grundstücke zu finden.

Standort Limeco in Dietikon 2023, 2034 und 2050

Dietikon: das Areal von Limeco heute und die voraussichtliche Situation in den Jahren 2034 und 2050

Grundstücke von Limeco in Dietikon

KVA und ARA liegen nah beisammen, im und angrenzend ans Gebiet Antoniloch in Dietikon. 2018 hat Limeco das benachbarte Coop-Areal als operative Landreserve erworben. 82 Prozent der Limmattaler Stimmbevölkerung haben dem Kauf an der Urne zugestimmt. Auf dem über 43’000 Quadratmeter grossen Areal sowie auf dem Grundstück der heutigen KVA sollen bis 2034 der Ersatzneubau der KVA zu stehen kommen sowie die Erweiterungsbauten der ARA. Bis 2050 wird das Areal der ARA im Antoniloch der Natur zurückgegeben und ein Ersatzneubau am Standort der heutigen KVA realisiert.

Systemrelevantes Gesamtprojekt

Die Anlagen sind systemrelevant, ihre Lebenszeit beträgt mehrere Jahrzehnte. Es macht darum sowohl ökonomisch als auch ökologisch Sinn, die Erweiterungen und Erneuerungen trotz des langen Realisierungszeitraums bis 2050 als Gesamtprojekt zu betrachten und gesamtheitlich zu projektieren. Im Verbund gewährleisten die neuen Infrastrukturen saubere Gewässer, eine ökologische Kehrichtverwertung und einen Beitrag zur sicheren und nachhaltigen Energieversorgung im Limmattal – auf Generationen hinaus.

Weissbuch 1 als Impuls

Für eine sorgfältige Planung trat Limeco frühzeitig in den Dialog mit ihren Trägergemeinden, der Baudirektion des Kantons Zürich und Organisationen, die die Interessen des Natur- und Tierschutzes sowie des Gewerbes vertreten. Die Ergebnisse dieser Gespräche sowie die Haltung der Mitarbeitenden sind im «Weissbuch 1 Limeco 2050» zusammengeführt. Das Weissbuch war der zentrale Impuls für die Testplanung.

Drei interdisziplinäre Teams

Drei Teams mit Kompetenzen aus Städtebau, Architektur, Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung nahmen am Studienauftrag teil. In ihren Arbeiten hatten sie übergeordnete Ziele zu berücksichtigen (z.B. betriebliche, städtebauliche, verkehrstechnische und raumplanerische Anforderungen) sowie spezifische Ziele (z.B. genehmigungsfähiger Gestaltungsplan). Die Herausforderung: komplexes Puzzle, begrenzte Fläche, zeitlich gestaffelte Ausbauschritte, viele Abhängigkeiten. Die Teams haben städtebauliche, verkehrliche, betriebliche und raumplanerische Herausforderungen aufgezeigt und unterschiedliche Lösungen skizziert.

Team Dürig

Städtebau/Architektur: Dürig AG, Architekten ETH SIA
Landschaftsarchitektur: Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH mit Oeplan GmbH (Subplaner)
Verkehrsplanung: Ing. Büro für Verkehrsplanung W. Hüsler AG

Das sagt das Beurteilungsgremium: «Der starke räumliche, städtebauliche, architektonische und landschaftsarchitektonische Positionsbezug löst eine gewünschte Debatte aus und hat hohes Potenzial in der weiteren Entwicklung zur Etablierung eines zukunftweisenden prototypischen Projektes.»

Team Salewski Nater Kretz

Städtebau/Architektur: Salewski Nater Kretz AG
Landschaftsarchitektur: Robin Winogrond mit Office of Living Things
Verkehrsplanung: TEAMverkehr.zug AG

Das sagt das Beurteilungsgremium: «Das Projekt setzt das komplexe Nutzungsprogramm mit einer überzeugend einfachen Anordnung um und schafft damit optimale Bedingungen für den betrieblich Ablauf. Es geht äusserst umsichtig mit den Naturräumen um. Die zeitliche Abwicklung eröffnet Potenziale und Freiräume für die Zukunft.»

Team Baukunst

Städtebau/Architektur: BAUKUNST mit Rapp (Subplaner)
Landschaftsarchitektur: ECHO Urban Design b.v.
Verkehrsplanung: Rapp Trans AG

Das sagt das Beurteilungsgremium: «Das Projekt strebt mit maximaler Kompaktheit einen geringen Gebäudefussabdruck an, so dass das Ensemble grosszügig im Grünen liegt und gut an die umliegenden Natur- und Flusslandschaften anschliesst. Ansätze für die Nutzung von bestehenden Infrastrukturen sowie Ideen zu Vor- und Zwischennutzung durch die Bevölkerung ergeben eine spannende Diskussion.»

Christoph Rothenhöfer, Partner bei TBF+Partner und Projektleiter der Testplanung, über die Erkenntnisse aus dem Studienauftrag

Wichtigste Erkenntnisse aus der Testplanung

Die Teams zeigten auf, dass Mehrwerte für Natur und Mensch geschaffen werden können und eine neue, betriebsoptimierte Kehrichtverwertungs- und Abwasserreinigungsanlage entstehen kann. Die wichtigsten Erkenntnisse, an welchen sich die Entwicklung zukünftigen Anlagen orientieren sollen:

Volumina und Höhen

Die zukünftigen Anlagen sollen sich bestmöglich in die Umgebung einbetten. Volumina und Höhen sind möglichst auf die Anforderungen des Natur- und Vogelschutzes auszurichten. Die Staffelung der Gebäudevolumen ist deshalb mit einer ansteigenden Gebäudehöhe von Reppisch und Limmat hin zum Siedlungsgebiet vorzusehen. Mit dieser Höhenentwicklung in Richtung Stadt und Quartier soll der Übergang vom Naturraum zum Siedlungsraum unterstrichen werden. Eine Einteilung der Baukörper in Sockelbereich, Hauptkörper und Dachkrone als architektonischer Ausdruck ist gewünscht. Daraus ergibt sich eine Hügelform mit gebrochenen Silhouetten.

Fassaden und Grünflächen

Alle Fassaden sollen sowohl gegenüber der Natur als auch gegenüber dem Stadtraum gleich hohe Qualitäten aufweisen. Das gilt ebenso für die Dächer: Als fünfte Fassade soll sie als visuell attraktive, teils begehbare Landschaft gestaltet werden, auch weil sie von den umliegenden Hängen des Limmattals sichtbar ist. Die Fassaden sind mit möglichst natürlichen und zirkulären Materialien auszubilden und vogelverträglich zu gestalten. Begehbar sollen auch die überdachten Becken der ARA sein. Als grüne Sockelterrasse dienen sie einerseits als Übergang zum Naturschutzgebiet, andererseits als natürliche Barriere.

Stadtplatz und Verkehr

Vor der neuen KVA soll ein neuer Platz entstehen. Dieser bildet den Anschluss an den öffentlichen Raum von Dietikon und ist eine klare Adresse zur Stadt hin, in angemessener Grösse und mit hoher Aufenthaltsqualität. Die publikumsorientierten Nutzungen wie Recyclinghof, Verwaltung und Besucherzentrum sollen dort platziert werden. Der Betriebsverkehr ist getrennt vom Verkehr der Öffentlichkeit, damit sich möglichst kein Rückstau im öffentlichen Raum bildet und keine Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmenden entstehen. Dazu zählen auch Fussgängerinnen und Velofahrer. Es besteht die Absicht, den Verkehr zunehmend auf die Schiene zu verlagern.

Das Beurteilungsgremium

Das Beurteilungsgremium besteht aus neun Personen. Für die breite Abstützung der Fachthemen stehen externe Expertinnen und Experten beratend zur Seite. Die Aufgabe der Sachvertretungen ist es, die Sicht und die Bedürfnisse der Bauherrschaft, der Eigentümer und der Betreiber einzubringen. Die Fachvertretungen sorgen dafür, dass der Anspruch an die architektonische, städtebauliche und landschaftsarchitektonische Qualität mit den Bedürfnissen der Bauherrschaft zu einem hochwertigen Entwurf verschmilzt. Im Bericht des Beurteilungsgremiums gehen die Vertretungen detailliert auf die drei Studien ein.

Sachvertretungen

  • Stefano Kunz (Vorsitz), Präsident des Verwaltungsrats Limeco
  • Anton Kiwic, Stadtrat Dietikon und Verwaltungsrat Limeco
  • Patrik Feusi, Geschäftsführer Limeco
  • Markus Bircher, Leiter Strategieprojekte Limeco

Fachvertretungen

  • Christoph Rothenhöfer, Projektleiter und Partner TBF + Partner AG
  • Severin Lüthy, Leiter Stadtplanungsamt Stadt Dietikon
  • Kees Christiaanse, KCAP Architects & Planners
  • Erika Fries, huggenbergerfries Architekten
  • Maurus Schifferli, Maurus Schifferli Landschaftsarchitektur

Öffentliche Ausstellung

Die Ideen der drei Teams stehen der Limmattaler Bevölkerung in einer Ausstellung ab 14. Januar 2023 offen. Werfen Sie einen Blick in die Zukunftswerkstatt und teilen Sie uns vor Ort Ihre Meinung zu Konzepten, Skizzen, Plänen und Visualisierungen mit!

Standort

Walk-In

  • Samstag, 14. Januar 2023, 14 bis 17 Uhr
  • Sonntag, 15. Januar 2023, 14 bis 17 Uhr
  • Samstag, 21. Januar 2023, 14 bis 17 Uhr
  • Sonntag, 22. Januar 2023, 14 bis 17 Uhr

Präsentation und Diskussion

  • Donnerstag, 19. Januar 2023, 19 bis 22 Uhr
  • Dienstag, 24. Januar 2023, 19 bis 22 Uhr

Eine Anmeldung ist nicht notwendig, der Eintritt ist gratis.

Markus Bircher, Leiter Strategieprojekte bei Limeco, über das weitere Vorgehen

Ausblick: So gehts weiter

«Die Testplanung Limmattaler Energiezentrum hat uns ein gutes Stück weitergebracht», sagt Markus Bircher, Leiter Strategieprojekte bei Limeco. Die Lösungsansätze der drei Teams bilden eine gute Basis für die nächsten Schritte: Die Ergebnisse liegen in Form des Syntheseberichts vor und werden im Echoraum mit den Anspruchsgruppen gespiegelt. Daraus entsteht das «Weissbuch 2 Limeco 2050». Dieses bildet zusammen mit der Synthese die Grundlage für das Richtprojekt und den Gestaltungsplan. Die Limmattaler Stimmberechtigten entscheiden zweimal an der Urne: im September 2023 über den Projektierungskredit und voraussichtlich 2026 über den Realisierungskredit.

Die Meilensteine in der Masterplanung 2050 von Limeco