Entwässerung Fahrweid
Ab sofort wühlt sich Bohrmaschine Corinne durch Geröll und Gestein

 

Vortriebsmaschine
Einheben der Vortriebsmaschine Corinne

Wie es im Tunnelbau Tradition ist, wird der Bohrkopf vor dem Einsetzen auf einen Namen getauft. So geschah es auch am 26. Juli 2019 in der Fahrweid. Der Bohrkopf mit einem Durchmesser von 1.75 Metern wurde auf den Namen Corinne getauft. Die Rolle der Taufpatin übernahm Corinne Zellweger, Unternehmerin in der Fahrweid und Präsidentin des Tennisclubs Geroldswil.

Ab sofort bohrt sich eine massige Tunnelbohrmaschine im Microtunneling-Verfahren unter der Fahrweid hindurch. Dafür wurde ein Bohrkopf mit einem Durchmesser von 1.75 Metern in den zentralen Startschacht an der Verzweigung Fahrweidstrasse-Austrasse eingesetzt. Wie im Untertagbau üblich, wurde der Bohrkopf am Freitag, 26. Juli 2019 nach seiner Ankunft auf der Baustelle getauft. So trägt der Bohrkopf fortan den Namen «Corinne» nach der Patin Corinne Zellweger. Sie ist als Unternehmerin und Tennisclubpräsidentin in der Fahrweid bekannt. Anlässlich des Taufakts wünschte Corinne Zellweger dem Projekt und allen Involvierten gutes Gelingen. Sie gab zusätzlich die Schutzpatronin des Untertagbaus, die Hl. Barbara, mit auf den Weg in die Grube. So wühlt sich der Bohrkopf Corinne in den nächsten Monaten auf einer Tiefe von rund 5 Metern den Weg durch Untergrund der Fahrweid.

Vorerst starten die Grabarbeiten intensiv. Teilweise in einem 24-Stunden-Betrieb geht es während zehn Arbeitstagen vom Hauptschacht direkt zum Pumpwerk. Anschliessend erfolgt der Vortrieb tagsüber. Zuerst geht es entlang der Fahrweidstrasse in Richtung Süd bevor dann Anfang 2020 die Bohrarbeiten in Richtung Nord starten. Die letzte Etappe im unterirdischen Vortrieb startet im März 2020 und geht unter der Austrasse in Richtung Ost. Entlang den Strecken an der Fahrweidstrasse wird die Bohrmaschine jeweils via einem Zwischenschacht neu positioniert und in Richtung der Zielschächte Süd und Nord ausgerichtet. Die Zielschächte West und Ost können direkt vom Hauptschacht aus angesteuert werden.

Keller bleiben trocken

«Wir realisieren hier ein Generationenprojekt. Die Bevölkerung in der Fahrweid ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Leitungen müssen an die neuen Bedürfnisse im Siedlungsraum angepasst werden und sollen für die nächsten 60-80 Jahre halten», sagt Michael Deplazes, Gemeindepräsident Geroldswil. Die neue Kanalisation transportiert bald wieder das Siedlungsabwasser sowie das Meteorwasser aus der Fahrweid. Zwei zusätzliche Schneckenpumpen beim Pumpwerk Länggenbach sollen dafür sorgen, dass auch grössere Regenereignisse mit überdurchschnittlichen Wassermengen ohne Kellerüberschwemmungen in der Fahrweid bewältigt werden können.

Unten bohren, oben rollen

Rund 1200 Meter der neuen Kanalisation werden im sogenannten Microtunneling-Verfahren erstellt. Das ist ein unterirdisches Vortriebsverfahren welches für die Fahrweid besonders geeignet ist. Zum einen braucht es entlang dem Rohrverlauf keine offenen Gräben, welche gegen das Grundwasser mit Spundwänden für die Bauphase trocken gelegt werden müssten.  Zum anderen ermöglicht der unterirdische Rohrvortrieb die Fahrweidstrasse konstant einspurig offen zu halten, was die Verkehrsbehinderungen gegenüber dem offenen Grabenbau minimiert. Für die Anwohner sind ferner die Lärmemissionen massiv reduziert. «Das Microtunneling ist für die heutigen dicht besiedelten Städte und Agglomerationen ein Segen. Es kann notwendige Siedlungsinfrastruktur entstehen und doch sind die Auswirkungen für Mensch und Natur vergleichsweise gering», sagt Mario Okle, Gemeindepräsident Weiningen.

Der zentrale Startschacht ist das Schaltzentrum der Baustelle während der gesamten Bauzeit. Hier werden die Rohre angeliefert, mit einem Kran in den tiefen Schacht eingeführt und hinter der Bohrmaschine in das Bohrloch eingefahren. «Sämtliches Material, welches der Bohrkopf abbaut, wird durch dicke Schläuche aus den Rohren in die Separationsanlage beim Hauptschacht befördert. Diese Anlage reinigt die Spülung vollständig von Feststoffen wie Kies, Steinen und Sand und fördert die Flüssigkeit wieder zum Bohrkopf, um dort den Abraum aufzunehmen und erneut retour zu transportieren», erklärt Guido Meier, Bauleiter der für das Microtunneling verantwortlichen Braumann Tiefbau AG.

Zeigen, was passiert

«Wir haben hier ein technisch spannendes Projekt von dem die Fahrweid lange profitieren wird. Wir dürfen für die Bohrungen auf gutes Vorankommen hoffen. Denn wir haben in den letzten Wochen direkt vor Ort noch diverse Abklärungen vorgenommen, um Unvorhergesehenes im Untergrund möglichst auszuschliessen», sagt Fabrice Bachmann von der SWR Infra AG, welche für die Gesamtleitung verantwortlich ist. «Nun wollen wir der Bevölkerung auch zeigen, was und wie es entsteht. Entlang der Fahrweidstrasse sowie beim Pumpwerk sind seit Juli eigens dafür grossformatige Projektblenden platziert. Sie zeigen in vereinfachten Schemen, welche Arbeiten vorgenommen werden», erklärt Bachmann. Weitere Informationen mit Detailplänen seien bei den Bauleitungscontainern platziert. Über temporäre Änderungen im Verkehrsregime sowie neue Etappen im Projekt werden die Anwohner jeweils mit Flugblättern rechtzeitig direkt durch die Bauleitung informiert.

Tag der offenen Baustelle

Für den 21. September ist zudem ein Tag der offenen Baustelle vorgesehen, bei dem die Bevölkerung das Projekt im direkten Kontakt mit den Akteuren kennen lernen und einen Blick hinter die Bauabsperrungen werfen kann. «Ein bisschen Gotthard-Feeling ist garantiert», sagt Fabrice Bachmann, von der SWR Infra AG und Gesamtleiter des Projekts.

 

Entwässerung Fahrweid
Unterirdischer Rohrvortrieb (Microtunneling) schont den Lebensraum

Taufpatin Corinne Zellweger macht sich bereit für den grossen Moment.

Corinne zellweger