Pascal Vogel kommentiert die Jahresrechnung 2018: ein Jahr mit grossen Investitionen und einem positiven Ergebnis.
Pascal Vogel ist Leiter Finanzen und Administration

Grosse Investitionen prägten das Berichtsjahr: Mit 90 Millionen Franken schlugen der Kauf des Coop-Areals und mit 31 Millionen Franken der Ausbau des Regiowärmenetzes zu Buche. Insgesamt investierte Limeco über 123,5 Millionen Franken.

Um diesen Verpflichtungen nachzukommen, gab Limeco erstmals in ihrer Geschichte eine Anleihe aus. Der solide Businessplan überzeugte die Investoren: Limeco konnte am freien Kapitalmarkt 120 Millionen Franken mit einer Laufzeit von acht Jahren zu einem Zinssatz von 0,3525% aufnehmen. Die Solidarhaftung der Trägergemeinden trug massgeblich zu den erreichten vorzüglichen Konditionen bei. Um Planungssicherheit zu erlangen, schloss Limeco im Herbst 2017 ein Zinsabsicherungsgeschäft ab. Wider Erwarten sanken die Zinsen aber weiter, deshalb muss im Berichtsjahr ein einmaliger zusätzlicher Zinsaufwand verbucht werden.

Gesamtsituation

Trotz einer soliden Selbstfinanzierung von 11'432'428.80 Franken ist der Eigenfinanzierungsgrad vor allem durch den fremdfinanzierten Kauf des Coop-Areals mit 90 Millionen Franken auf 14,65% gesunken. Dieser Wert wird sich in den nächsten Jahren durch eine weiterhin hohe Selbstfinanzierung und gleichzeitiger Äufnung von Eigenkapital wieder erholen.

Durch einen Rahmenkreditvertrag mit der ZKB sind die heute kurzfristigen Darlehen ebenfalls langfristig gesichert. Somit erreicht Limeco einen Anlagedeckungsgrad 2 von 101,85% und kann damit die Fristenkongruenz (goldene Bilanzregel) wahren.

Gesamthaft über alle Bereiche erhöhte sich das Eigenkapital um 2'657'931.80 Franken. Budgetiert war ein Rückgang von 1'684'323.00 Franken.

Zu den Finanzzahlen

In der genaueren Betrachtung unterscheiden wir zwischen den verschiedenen Bereichen.

Abwasserwirtschaft

Der Bereich Abwasserwirtschaft erbringt Dienstleistungen, die nicht direkt in Rechnung gestellt werden können, und verbucht somit auch nur wenige direkte Einnahmen. Deshalb wird der Bereich als «Costcenter» geführt und durch die, den Kosten entsprechenden, Betriebskostenbeiträge der Gemeinden finanziert. Somit ist die Rechnung per Ende des Geschäftsjahrs jeweils ausgeglichen. Um den Bereich beurteilen zu können muss also die Kostenentwicklung angeschaut werden.

Mit Kosten von rund 9,9 Millionen Franken unterschritt der Bereich Abwasserwirtschaft das Budget um über 1,5 Millionen Franken. Die Kosten liegen rund 230'000 Franken unter dem Vorjahr.

Hohes Kostenbewusstsein und Optimierungen der Anlage ermöglichten die positive Entwicklung bereits in den Vorjahren, trotz höheren Schmutzkonzentrationen und steigenden Anforderungen an die Qualität.

Entwicklung der Betriebskostenbeiträge

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Einheit 2016 2017 2018
Effektive Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 11'045 10'168 9'939
Budgetierte Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 12'133 11'178 11'482
Abwasser von Anzahl Einwohnern und Industrie 93'715 93'232 94'622

 

Thermische Verwertung

Der Bereich Thermische Verwertung betreibt die Kehrichtverwertungsanlage (KVA). Im Hinblick auf das Lebensende der KVA per Ende 2033 ist es unser erklärtes Ziel, die Anlage so kostengünstig und ertragseffizient wie möglich zu betreiben. In diesem Zusammenhang wird bei jeder möglichen Investition, aber auch im Bereich des Unterhalts der Anlage, geprüft, ob diese Ausgabe bis zum Lebensende der Anlage noch sinnvoll ist.

Diese Grundhaltung widerspiegelt sich explizit in der Jahresrechnung 2018. Im Bereich Unterhalt wurden rund 674'000 Franken weniger ausgegeben als budgetiert und 380'000 Franken weniger als im Vorjahr.

Neben diesen Einsparungen trugen auch nicht getätigte Investitionen und erfreulicherweise Ertragssteigerungen beim Kehricht und bei der verkauften Energie zum positiven Ergebnis bei: Die KVA äufnete ihr Eigenkapital mit über 6,5 Millionen Franken. Kapital, das dereinst für den Bau der neuen Anlage zur Verfügung steht.

Erneuerbare Energien

Der noch junge Bereich Erneuerbare Energien betreibt Limeco Regiowärme und befindet sich im Aufbau.

2018 baute Limeco das Regiowärmenetz für über 31 Millionen Franken aus. Um mit dem Ausbau Schritt zu halten, sind weitere personelle Ressourcen für den Verkauf, die Administration und den Unterhalt nötig.

Die Anschlussentwicklung liegt über dem Businessplan, trotzdem konnten die erwarteten Erträge noch nicht erreicht werden. Dies liegt einerseits an den sehr warmen Temperaturen im Berichtsjahr, andererseits aber auch am Rückstand im Ausbau des Netzes. Um unseren Lieferverpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen, mussten wegen der Bauverzögerungen temporäre Heizzentralen installiert werden. Diese Mehrkosten wurden mehrheitlich durch Versicherungsleistungen gedeckt.

Im seit 1984 bestehenden Netz im Gebiet Silbern waren ausserplanmässige Unterhaltsleistungen nötig, was das Ergebnis des Bereichs Regiowärme belastet.

Insgesamt weist der Bereich Regiowärme per Ende 2018 einen Verlustvortrag von knapp drei Millionen Franken aus, was für ein Start-up in einem investitionsintensiven Umfeld üblich ist. Im Businessplan wird mittelfristig mit weiteren Verlustvorträgen gerechnet, die dann aber später schnell abgebaut werden können.

Grundeigentum

Die Transaktionen im Zusammenhang mit dem Landkauf werden auf einer separaten Kostenstelle abgebildet. Durch die einmaligen Aufwände für das Zinsabsicherungsgeschäft erreichten wir das geplante ausgeglichene Ergebnis nicht. Der Verlustvortrag wird in den nächsten Jahren wieder abgebaut.

Die Jahresrechnung 2018 ist die letzte Jahresrechnung von Limeco nach HRM I. 2019 stellt Limeco als Interkommunale Anstalt gemäss dem neuen Gemeindegesetz auf HRM II um.