Pascal Vogel zur Jahresrechnung 2019: Neue Rechnungslegung nach HRM II erschwert Vorjahresvergleich.
Pascal Vogel ist Leiter Finanzen und Administration

Die Jahresrechnung 2019 ist die erste Jahresrechnung von Limeco nach HRM II. Die Umstellung des Rechnungslegungsstandards beschäftigte uns stark und erschwert den Vergleich mit den letzten Jahresrechnungen.

Mit dem Jahr 2019 schliessen wir ein erneut finanzintensives Jahr mit Gesamtinvestitionen von über 26 Millionen Franken ab, die eine Erhöhung des Fremdkapitals um 12 Millionen Franken bedingten. Dank der Solidarhaftung durch unsere Trägergemeinden und dem weiterhin günstigen Zinsumfeld konnten wir auch dieses Jahr Fremdkapital zu äusserst attraktiven Preisen aufnehmen.

Gesamtsituation

Mit unserer soliden Selbstfinanzierung von rund 13 Millionen Franken, was einem Selbstfinanzierungsgrad von 52% entspricht, ist der Eigenfinanzierungsgrad trotz der hohen Investitionen wieder leicht auf rund 16% angestiegen.

Neben der im Jahr 2018 ausgegebenen Anleihe mit einer Laufzeit von acht Jahren finanziert Limeco weiterhin kurzfristig. Durch einen Rahmenkreditvertrag mit der ZKB sind aber diese kurzfristigen Darlehen ebenfalls langfristig gesichert. Somit erreicht Limeco einen Anlagedeckungsgrad 2 von 102% und kann damit die Fristenkongruenz nach der goldenen Bilanzregel weiterhin wahren.

Auf den ersten Blick zeigt die Jahresrechnung 2019 über das ganze Unternehmen ein positives Bild. Der Bereich Thermische Verwertung verbuchte Einlagen ins Eigenkapital von über 6 Millionen Franken, der Bereich Abwasserwirtschaft rechnete mit rund 415'000 Franken unter Budget ab und der Ausbau von Regiowärme läuft nach Plan – dank gutem Verkaufsstand sind wir dem Businessplan gar voraus.

Zu den Finanzzahlen

In der genaueren Betrachtung unterscheiden wir zwischen den verschiedenen Bereichen.

Abwasserwirtschaft

Der Bereich Abwasserwirtschaft erbringt Dienstleistungen, die nicht direkt in Rechnung gestellt werden können, und verbucht somit auch nur wenige direkte Einnahmen. Deshalb wird der Bereich als «Costcenter» geführt und durch die – den Kosten entsprechenden – Betriebskostenbeiträge der Gemeinden finanziert. Somit reslutiert per Ende Geschäftsjahr jeweils eine ausgeglichene Rechnung. Um die Leistung des Bereich beurteilen zu können, muss also die Kostenentwicklung angeschaut werden.

Mit Kosten von rund 9,2 Millionen Franken liegt der Bereich Abwasserwirtschaft rund 415'000 Franken unter Budget und rund 700'000 Franken unter dem Vorjahr .

Rund die Hälfte der Differenz zum Budget ergibt sich durch Arbeiten an den Kanälen, die im Berichtsjahr nicht ausgeführt werden mussten. Das führte zu tieferen Abschreibungen, da die Investitionen im Rechnungsjahr noch nicht abgeschlossen sind und deshalb erst ab dem 2020 abgeschrieben werden.

Die Tendenz der Vorjahre bestätigt sich: Der Bereich Abwasserwirtschaft konnte abermals seine Betriebskosten senken. Dies dank hohem Kostenbewusstsein und Optimierungen der Anlagen.

Entwicklung der Betriebskostenbeiträge

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Einheit 2017 2018 2019
Effektive Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 10'168 9'939 9'227
Budgetierte Betriebskostenbeiträge der Gemeinden TCHF 11'178 11'482 9'642

 

Thermische Verwertung

Der Bereich Thermische Verwertung betreibt die Kehrichtverwertungsanlage (KVA). Im Hinblick auf das Lebensende der KVA per Ende 2033 ist es unser erklärtes Ziel, die Anlage so kostengünstig und ertragseffizient wie möglich zu betreiben. Daher muss Limeco, wie jede Privatperson bei der Finanzierung eines Eigenheims, für den benötigten Neubau der KVA genügend Eigenmittel äufnen, damit die neue Anlage einerseits finanziert, vor allem aber kostenoptimiert betrieben werden kann. So wird sowohl bei Investitionen in die KVA als auch Unterhaltsarbeiten geprüft, ob diese Ausgabe bis zum Lebensende der Anlage noch sinnvoll ist.

Diese Grundhaltung widerspiegelt sich wie im letzten Jahr auch in der Jahresrechnung 2019. So konnten die Unterhaltskosten auf dem tiefen Niveau des Vorjahres gehalten werden.

Auch auf der Ertragsseite erzielte der Bereich Thermische Verwertung positive Ergebnisse. Dank hoher Verfügbarkeit und gut geplantem Abfallmanagement konnte der Durchsatz in der Kehrichtverwertung erhöht werden, was sich auch in den Einnahmen zeigt. Durch Absicherungsgeschäfte liess sich – trotz stark gesunkener Strompreise – der Zerfall des Stromertrages noch aufhalten.

Das auf den ersten Blick positive Ergebnis muss jedoch durch die Umstellung in der Rechnungslegung relativiert werden.Mit der bisherigen Abschreibungsmethode nach HRM I wäre das Ergebnis um 3,8 Millionen Franken tiefer ausgefallen. Dieser Betrag wird nun in den folgenden Jahren die Ergebnisse belasten und die Einlagen in das Eigenkapital verringern.

Erneuerbare Energien

Der Bereich Erneuerbare Energien betreibt Limeco Regiowärme.

Administration, Verkauf und Unterhalt, aber vor allem im Ausbau des Regiowärmenetzes, sind nach wie vor im Aufbau. Im Jahr 2019 wurde das Versorgungsnetz für über 16 Millionen Franken weiter ausgebaut.

Der Verkauf lief bereits im Vorjahr sehr gut, was sich nun in der Jahresrechnung 2019 im Ertrag zeigt: Er steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Millionen Franken.

Die ausserplanmässigen Unterhaltsleistungen im Gebiet Silbern haben nach 2018 nun auch das Geschäftsjahr 2019 stark belastet.

Insgesamt weist der Bereich Regiowärme per Ende 2019 einen Verlustvortrag von 4,4 Millionen Franken aus, was für ein Start-up in einem investitionsintensiven Umfeld üblich und im Businessplan auch so eingerechnet ist. Es darf damit gerechnet werden, dass der Bereich Regiowärme bereits ab der Jahresrechnung 2021 mit positiven Ergebnissen abschliesst und damit den Verlustvortrag abbaut.

Liegenschaften für Ersatzneubauten

Die Transaktionen im Zusammenhang mit dem Landkauf werden auf einer separaten Kostenstelle abgebildet. Der im Vorjahr aufgebaute Verlustvortrag über 600'000 Franken konnte  2019 bereits um 340'000 Franken reduziert werden.