Daniel Kiser

Daniel Kiser

Leiter Betrieb Abwasserwirtschaft

Pumpenkiller: Warum Sie Feuchttücher, Haare und Fett nicht runterspülen sollten

Reste auf dem Teller, Fett in der Pfanne, Haare im Lavabo: runtergespült und weg? Was harmlos scheint, verursacht in der Kanalisation teure Schäden. Wir erklären, warum der Abfluss kein Müllschlucker ist und wie Sie mit wenig Aufwand viel bewirken. Sauberes Wasser beginnt in den eigenen vier Wänden.

Wer Reste von Bratfett, Salatsauce oder Fonduekäse in den Abfluss giesst oder in den Geschirrspüler tut, ahnt oft nicht, was danach passiert: In den Abwasserleitungen kühlt das Fett ab, haftet an den Wänden und verbindet sich mit Essensresten zu einer zähen Masse. Mehl und Kaffeesatz verstärken den Effekt: Sie verkleben und verengen den Durchfluss – bis nichts mehr geht.

Wohin das führen kann, zeigte sich Ende 2025 in London: Im Stadtteil Whitechapel blockierte ein Fettberg von rund 100 Tonnen die Kanalisation. Die Beseitigung dauerte Wochen. Was in Grossstädten spektakulär endet, beginnt auch im Limmattal ganz alltäglich – am Küchenabfluss. Nahrungsreste in den Leitungen fördern zudem die Verbreitung von Ratten.

Haare: die unterschätzten Verstopfer

Auch Haare von Mensch und Tier sorgen für erhebliche Probleme. In den Rohren verheddern sie sich mit Seife und Fett zu dichten Knäueln und setzen sich im Siphon fest. Die Folgen: langsam abfliessendes Wasser und üble Gerüche. Oder sie wandern weiter in die Kanalisation, verstopfen Leitungen und blockieren Pumpen in der Kanalisation und in der ARA.

Feuchttücher: immer in den Abfalleimer

Allein in der ARA von Limeco, die das Abwasser von über 85’000 Menschen reinigt, bleiben Woche für Woche über fünf Tonnen festes Material im Rechen hängen. Ein grosser Teil davon sind die beliebten Feucht-, Intim- und Reinigungstücher. Da sie nur langsam oder gar nicht zerfallen, können sie Leitungen und Pumpen in der Kanalisation verstopfen. Jede Verstopfung bedeutet Mehraufwand, den am Ende alle mittragen. Also Feuchttücher immer in den Abfalleimer – auch jene, die als «herunterspülbar» oder mit«zersetzt sich im Wasser» gekennzeichnet sind.

Diese Feuchttücher wurden nur unter Laborbedingungen getestet. Um sich im Wasser zu zersetzen, brauchen sie jedoch viel länger als die vier Stunden vom WC in die ARA von Limeco. Auf dem Weg in die Kläranlage verwickeln sie sich mit anderen Tüchern zu einem Knäuel, der die Pumpen verstopft oder gar blockiert.

So einfach schützen Sie Ihre Leitungen

  • Fett gehört nicht in den Abfluss oder in die Spülmaschine. Reste von Bratfett, Salatsauce oder Fonduekäse mit Haushaltspapier auswischen und in den Kehrichtsack geben.
  • Grössere Mengen Öl und Bratfett in Glasbehälter sammeln und im Altölcontainer bei den Recyclingstellen Ihrer Gemeinde entsorgen oder im Sonderabfallmobil abgeben.
  • Essensreste vom Teller und Kaffeesatz in den Kehrichtsack, nicht in die Toilette oder den Küchenabfluss.
  • Abflusssiebe in Küche und Bad verwenden: Sie fangen Reste und Haare auf.
  • Haare aus Bürste, Dusche und Lavabo sammeln und im Abfalleimer entsorgen, insbesondere auch Tierhaare.

Wenn der Abfluss streikt

Fliesst das Wasser nicht mehr richtig oder gar nicht ab, helfen oft Hausmittel: heisses Wasser mit Seife, Backpulver mit Essig oder eine Reinigungsspirale. Verzichten Sie auf chemische Rohrreiniger: Die Wirkung ist gering, die Umweltbelastung gross.